Das Archivgut besteht aus rund 17.000 Sachakten, die von den staatlichen Behörden erstellt wurden, nämlich von den Sekretariaten der damals sieben Ministerien und von der Kanzlei des königlichen Kabinets. Also:
OTTONISCHES ARCHIV (1832-1862)
- Archiv des königlichen Kabinets (Αρχείο Ανακτόρων)
- Archiv des Ministeriums des Kriegs
- Archiv des Ministeriums der Finanzen
- Archiv des Ministeriums des Innern
- Archiv des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten
- Archiv des Ministeriums für den Kultus und öffentlichen Unterricht
- Archiv des Ministeriums der Justiz
- Archiv des Ministeriums der Marine
Für GraecoGermanica, das sich mit persönlichen Geschichten und einzelnen Fällen von Deutschen der ottonischen Zeit befasst, sind bisher zwei kürzlich archivierte Teile von besonderer Bedeutung gewesen:
1) Aus dem Archiv des Königlichen Kabinets der Teil, der unter dem Namen Προσωπικές Υποθέσεις (Personalia) eingetragen ist. Hier gibt es Personalakten und einzelne Briefe an Otto von Griechen und Ausländern, die Gesuche stellen oder ihre Beschwerden und Klagen einreichen. Unter denen befinden sich auch rund 1.600 deutsche Männer und Frauen. Ihre Namen können Sie unter NAMEN A-Z aufsuchen.

2) Aus dem Archiv des Kriegsministeriums, der Teil der Militärischen Buchhaltung. Darin sind die Ausgaben für jedes militärische Werk, jede militärische Einheit, jeden Soldaten ausführlich niedergeschrieben und begründet. Dadurch sind Informationen über die Tätigkeit und das Schicksal von Tausenden Deutschen sowie Österreichern, Schweizern und anderen Nationalitäten, die in der griechischen Armee dienten, kurz und zusammenfassend überliefert. Ihre Namen sind größtenteils registriert, neue Namen werden ständig hinzugefügt (hoffentlich bis zur Vollständigeit der Liste). Auch diese Namen erscheinen unter NAMEN A-Z.

Das Ottonische Archiv wurde teilweise in verschiedenen Perioden archiviert, von 1960 bis 2015. Es ist in sehr gutem Zustand aufbewahrt, zum großen Teil -aber nicht im Ganzen- digitalisiert und für Forscher zugänglich.
Die Unterlagen sind in gebundenen Sachakten nach ihrem Thema organisiert, es gibt aber auch eine Menge ungebundene Einzeldokumente.

Kaum verwunderlich, dass die ersten öffentlichen Dokumente des neugriechischen Staats auf Deutsch geschrieben sind. Die Bayern, die Otto begleiteten, hatten Altgriechisch in der Schule gelernt, konnten aber kein Neugriechisch, genauso wie die Griechen die Sprache ihrer Regenten nicht beherrschten. In den Kanzleien der staatlichen Behörden wurde daher viel übersetzt -wenigstens bis 1843, als die Deutschen aus den öffentlichen Ämtern Griechenlands entfernt wurden.

Die hauptsächlich verwendete Schrift des Archivs ist die kalligraphische Kurrent. Schwer zu lesen, dennoch so schön anzusehen.

Viele archivalische Quellen aus der ottonischen Zeit Griechenlands sind auch in der Bayerischen Staatsbibiliothek und im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt. Man könnte sie als verwandte Archive des griechischen bezeichnen. Hoffentlich wird es irgendwann einen Austausch zwischen ihnen geben.
Es ist sicherlich ein Glück, dass das ottonische Archiv gerettet worden ist und zu unserer Verfügung steht, denn fast 200 Jahre nach seiner Entstehung hat es noch viel zu erzählen.


