H.d. Toulouse-Lautrec, Die Wäscherin, 1886
Von der bescheidensten Magd bis zur hochrangigen Oberhofmeisterin hatten die Frauen am ottonischen Hof eine vielfältige Präsenz. Ob Angehörige des Kreises der Königin oder einfache Arbeiterinnen trugen sie zur Gestaltung und zum Betrieb des ersten neugriechischen Hofstaats bei, indem sie im sozialen Vordergrung wie im politischen Hintergrund die verschiedenen Rollen der Hofkultur des 19. Jhs annahmen.
Mit Ausnahme der Hofdamen ist uns von diesen Frauen wenig oder nichts bekannt. Der Artikel versucht eine möglichst vollständige Darstellung des weiblichen Personals des ottonischen Hofes zu geben, in Bezug auf
A. Zusammensetzung und Pflichten
B. Entlohnung
C. die einzelnen Personen (Namen und biographische Angaben).
Dem Thema der Website entsprechend werden hauptsächlich die deutschen Frauen vorgestellt.
A. ZUSAMMENSETZUNG UND PFLICHTEN
Griechisch-deutsche Zusammensetzung, bayerisches Vorbild
Schon in den ersten königlichen Wohnungen in Nauplion und Athen arbeiteten Frauen von deutschen Soldaten als Dienstmägde. Doch signalisiert die Ankunft Amalies in Athen (Feb. 1837) und die Gründung des Hofstaates der Königin eine radikale Veränderung in der Zusammensetzung des weiblichen Personals.
Wie aus den erhaltenen Listen sämtlicher Hofangestellten der Periode 1837-41 hervorgeht, dienten am alten Hof Athens um die 100 (97) Personen; 22% davon waren Griechen, 78% Deutsche. Der Umzug ins neue Palais im Jahr 1843 vermehrte sicherlich die Zahl der Bediensteten und verminderte den Anteil der Deutschen, es fehlt aber bis jetzt eine vollständige Liste der Beschäftigten im großen Gebäude am Syntagma-Platz. Von den 97 Arbeitnehmern der Periode 1837-41 waren nur 17 Frauen, von ihnen 16 Deutsche.
Die Organisation des Hofes basierte grundsätzlich auf der bayerischen Tradition; so schloss das weibliche Personal in Athen wie in München die folgenden Frauen ein:
- die Oberhofmeisterin
- die Schlüsseldame (nur 1839-42)
- die Hofdamen
- die Ehrendamen (Επίτιμες)
- die Kammerfrauen
- die Leinwandverwahrerin
- die Arbeiterinnen (Näherinnen, Mägde, Waschfrauen, etc.).
Die Arbeiterinnen und die Leinwandverwahrerin gehörten zum allgemeinen Hofdienst, die Übrigen ausschließlich zum Hofstaat der Königin.
Die erste Wohnung Amalies in Athen, das Haus Dekosis Vouros.
Die Oberhofmeisterin -und die Schlüsseldame
Die Oberhofmeisterin stand als Vorgesetzte des Hofstaats der Königin auf der zweitobersten Hierarchiestufe nur nach dem Hofmarschall. Sie war in der Regel adliger Herkunft, mittleren Alters, ledig oder Witwe, wirkte als Ratgeberin und Sekretärin Amalies, kümmerte sich um die Aufrechterhaltung der Etikette und hatte die Aufsicht über das gesamte weibliche Personal. Sie musste bei den vielstündigen Vorstellungen ausländischer Reisender und Beamten anwesend sein, den Audienzen von Bürgern beiwohnen, formelle Besuche außerhalb des Hofes abstatten, Antworten auf Gesuche an die Königin schreiben und sie auf Spazierritten und kurzen oder mehrtägigen Ausflügen begleiten; außerdem war sie immer bei Kirchenämtern, Feierlichkeiten, Bällen, großen und kleinen Tafeln und Theatervorstellungen an ihrer Seite. Ein Amt, das Bildung, Intelligenz und körperliche Kraft verlangte.
Drei Frauen dienten als Oberhofmeisterinnen am ottonischen Hof: Marie Anne de Wylly, Julia von Nordenflycht und Wilhelmine von Plüskow.
Marie Anne de Wylly war die Witwe eines englischen Offiziers aus Indien und kam mit Amalie nach Griechenland. Nach der Beschreibung des Junkers Ow war sie um 40 Jahre alt, stattlich, schön, groß und stark, mit südlicher Gesichtsfarbe und feurigen Augen. Die Königin entließ sie nach acht Monaten wegen unanständigen Benehmens.
Ihre Stelle nahm provisorisch die Erzieherin Amalies Julia von Nordenflycht ein, die sich mit 51 Jahren entschied, ihre Schülerin als Hofdame nach Griechenland zu begleiten. Nach einer 2-jährigen Dienstzeit als Oberhofmeisterin, die mit der Ankunft Plüskows endete, trat Nordenflycht ihr voriges Amt nicht wieder an, was einer Herabstufung gleichgekommen wäre; dagegen wurde ihr der Titel der Schlüsseldame verliehen, der sie auf der Hierarchie und der Besoldung über die Hofdamen setzte und offensichtlich auf die wohlwollende Haltung Amalies zu ihrem Liebling zurückzuführen war. Den Titel führte nach dem Tod Nordenflychts (1842) keine andere Frau.
Die dritte Oberhofmeisterin, die preussische Baronin Wilhelmine von Plüskow, behielt die Stelle von 1839 bis zum Ende der ottonischen Herrschaft (1862). Ihr starker Charakter erwies sich als eine wertvolle Stütze für Amalie und ihr unoffizielles Treffen mit Metternich in einer geheimen Mission, mit der sie 1844 betraut wurde, zeigt wie viel ihre diplomatischen und politischen Fähigkeiten geschätzt waren.
Die Hofdamen
Die jungen, schönen und adligen Hofdamen umgaben die Königin wie ein lebendiger, strahlender Rahmen, der ihr Bild vergrößerte und ihr den notwendigen Glanz der Majestät gab. Ihre Aufgaben bestanden darin, Amalie Gesellschaft zu leisten und sie bei allen Auftritten und Tätigkeiten zu begleiten oder bei Sozial- und Benefizveranstaltungen zu repräsentieren. Ihre Stelle forderte außer Schönheit auch Bildung, Unterhaltungsfähigkeit, Verstellungskunst, Verschwiegenheit, tadelloses Benehmen und Kenntnis der Etikette; sie mussten auch die Hofsprache (Französisch) sprechen und tanzen können.
Amalie hatte anfangs zwei und nach 1845 drei Hofdamen, von denen eine immer deutsch oder deutsch-griechisch war. In einem Brief, wo sie die Ernennung der dritten Hofdame rechtfertigt, drückt sie ihren Wunsch aus, stets eine junge Landsmännin bei sich zu haben. Insgesamt dienten vier (griechisch-)deutsche Frauen in dieser Position.
Als erste griechische Hofdame wurde 1838 Aikaterini (Rosa) Botzari ausgewählt, die Tochter von Markos. Es folgten neun weitere Nachfahren von Helden des Freiheitskampfs und der Fanarioten.
J. Stieler, Rosa Botzari, 1841
Die griechischen Ehrendamen
Zum Hofstaat der Königin gehörten auch die vier Ehrendamen (gr. Επίτιμες) aus hochangesehenen Familien (Mavromichali, Kolokotroni, Kriesi, Monarchidou). Diese Frauen
- erscheinen nicht in den Listen des Personals,
- haben keine Personalakten im Archiv des Hofmarschallamtes,
- waren älter als die Hofdamen und verheiratet,
- werden in den Dokumenten auch Damen des Palastes (κυρίες των ανακτόρων) genannt;
woraus zu schließen ist, das sie den Palastdamen des bayerischen Hofes entsprachen. Dieses Ehrenamt hatte Ludwig I 1826 eingeführt, um seinem Hof mehr Glanz zu verleihen. Die griechischen Ehrendamen waren also, genauso wie die bayerischen Palastdamen, verheiratet, unbezahlt und hatten als einzige Aufgabe, bei grossen Feierlichkeiten als Begleiterinnen der Königin zu erscheinen. Ihr Amt behielten sie auf Lebenszeit.
Drei von den vier Ehrendamen waren Ehefrauen von Senatoren des ersten griechischen Senats. Das verbindet möglicherweise ihre Ernennung mit der Ernennung der ersten Mitglieder des Senats -auch auf Lebenszeit- im Jahr 1844 durch Otto; Amalies erste Erwähnung der Ehrendamen in ihren Briefen fällt auch in diesem Jahr.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass insgesamt sieben deutsche und vierzehn griechische Frauen in den hohen Hofämtern dienten. Die höhere Anzahl der Griechinnen basiert selbstverständlich auf der politischen Symbolik ihrer Anwesenheit am Hof, nämlich auf der engen Beziehung zwischen der Krone und den mächtigen Familien des Landes; diese gegenseitige Abhängigkeit manifestiert sich in den griechischen Hof- und Ehrendamen. Indessen zeigt die feste Präsenz der Plüskow an der Spitze des Hofstaats Amalies eine Kluft, die unüberbrückbar blieb.
Oberhofmeisterin, Hofdamen, Ehrendamen, um 1844-47.
Von links nach rechts: M. Monarchidou, E. Botasi, E. v. Rennenkampf, W. v. Plüskow,
Ch. Mavromichali (sitzend), F. Mavromichali, K. Kriezi, F. Kolokotroni.
(photographisches Archiv der Schule Hill)
Die Kammerfrauen
In der Mitte der Hierarchie, also höher als die einfachen Dienerinnen und niedriger als die Hofdamen, standen die Kammerfrauen. Ihre Aufgabe bestand darin, sich um die Garderobe der Königin zu kümmern und ihr fehlerloses, perfektes Bild zu schützen -rosa Kleid mit Diamanten oder weißes mit Perlen? Sie sorgten um ihre Gewänder und Schmuck, halfen ihr bei den häufigen komplizierten Umkleidungen und bei der Schönheitspflege und mussten sie auf den Reisen begleiten.
Amalie suchte für diese Stelle immer deutsche junge Frauen aus, die fast alle aus Oldenburg kamen. Sie waren bürgerlicher Herkunft und wurden nach Schönheit, Charakter und Benehmen ausgewählt.
Trotz ihres niedrigen Lohns verlieh die tägliche Nähe zur Königin den Kammerfrauen Glamour und bestimmte Privilegien wie die Nutzung eines Wagens für ihre Promenaden oder Wein beim Mahl. Ansonsten soll das Leben in Griechenland für sie eher enttäuschend gewesen sein; die Oberhofmeisterin kritisiert ihre Ungeduld, wenn sie klagen: Die eine hat sich das Land nicht so grausam fürchterlich gedacht, die andere findet es unerhört, daß sie auf der Reise mit allen Leuten ohne Unterschied an einem Tische essen soll. Mein Himmel! [...] Das Königspaar theilt ja mit uns alle diese Beschwerden und Entbehrungen; da meine ich, können wir es auch ertragen und schweigen. Die Kammerfrau Katerine Gramberg, die diesen Rat nicht befolgte, verlor ihre Stelle; laut Amalie versuchte sie, den ganzen Haushalt zum Ungehorsam zu verleiten, und beschwerte sich über zu viel Arbeit; das sei aber unbegreiflich, da nur wenige Frauen so bequem und vortrefflich wie ihre Bediensteten lebten. Die üblichen Arbeitsbedingungen der Dienerschaft im 19. Jh. -knapper Lohn, übermäßige Arbeitszeit, wenig Freiheit und Freizeit, blinder Gehorsam und fristlose Kündigung- galten also auch für das Hofpersonal.
Die Kammerfrauen kamen nach Griechenland unter der Bedingung, während der drei ersten Jahren unverheiratet zu bleiben. Diese Forderung war jedoch nur schwer einzuhalten, da die jungen Frauen auf dem großen Heiratsmarkt des Hofes sehr begehrt waren. Ja, diese Heirathsgeschichten sind ein wahres Leiden, schreibt Nordenflycht. Die Folge solcher Verhältnisse sind natürlich Zerstreutheit, Mangel an Sorgfalt un dergleichen. Fast alle gaben ihre Stelle nach der Ehe auf.
Amalie hatte stets drei Kammerfrauen in ihrem Dienst. Eine Kammerjungfer gehörte auch zur Bedienung jeder Hofdame und der Oberhofmeisterin.
R. Madrazo, La toilette, 1890
Die Leinwandverwahrerin
Die höher als die Kammerfrauen bezahlte Chefin der Leinwandkammer war für die Anschaffung, Bewahrung, Ergänzung, Ausbesserung, Inventarisierung und Verrechnung des gesammten Weißzeuges des Hofes zuständig. Sie hatte zwei Näherinnen als Gehilfinnen und war auch mit der Aufsicht über die Waschfrauen beauftragt. Diese Stelle, die technische Fähigkeiten sowie genügende grammatische und arithmetische Kenntnisse voraussetzte, wurde in der Regel mit deutschen Ehefrauen von Hofangestellten besetzt.
Waschfrauen, Mägde, Näherinnen
Gute Dienstmädchen zu finden [...] das ist hier wirklich eine Noth. Die Griechinnen verstehen nichts vom Hausdienst [...], meinte Nordenflycht. Eine ähnliche Bemerkung macht der Junker Ow: Es ist schwer, einen brauchbaren griechischen Diener zu finden. Sie haben zu viel Unabhängigkeitssinn; daher sie meistens nicht lange im Dienste bleiben.[...] Die meisten Fremden nehmen lieber Malteser in ihre Dienste.
Ähnliches galt für die Waschfrauen, über die Nordenflycht schon vor ihrer Ankunft in Athen wusste, dass sie schwer zu finden oder doch so theuer sind, daß es nicht zu bezahlen sei. Chr. Lüth stellte auch zu ihrer Verwunderung fest, dass in Griechenland die Männer lieber als die Frauen das Waschen übernahmen: Die Griechinnen wollten diese einfache Arbeit nicht. [...] Giannis [der Diener der Familie] erklärte sich bereit, die Wäsche der Kinder zu waschen, solange niemand etwas davon wusste.
Die westeuropäische bürgerliche Lebensart, zu der oft ein Dienstmädchen gehörte, war tatsächlich in Griechenland damals noch nicht verbreitet. In Deutschland waren beide oben erwähnte Berufe in den bürgerlichen Haushalten üblich, weswegen die deutschen Einwanderinnen, die die Berufsbezeichnung angaben, in den Wohnungen von Diplomaten, Politiker und Militärs einfach einen Arbeitsplatz finden konnten. Das ermutigte viele Frauen, nach Griechenland zu ziehen, wie es aus Anzeigen der deutschen Presse hervorgeht:
Der Andrang von Weibspersonen zur Übersiedlung nach Griechenöand wird immer größer [...] Da, wie alle Nachrichten aus Griechenland bestätigen, dort wirklich an arbeitsamen und ordentlichen Dienstbothen Mangel ist, so kann wohl manche fleißige Person [...] dort ordentlich unterkommen. (Der Wanderer, 2.4.1834)
Ein ordentliches Mädchen, die alle Handarbeit und Kochen kann, wünscht bey einer Herrschaft nach Griechenland in Dienst zu treten. (Die bayerische Landbötin 24.8.1833)
Im Archiv des ottonischen Hofmarschallamtes tauchen viele Frauen von Freiwilligen sowie ledige Einwanderinnen auf, die in den verschiedenen königlichen Wohnungen die "weiblichen" Arbeiten übernahmen. Es werden Näherinnen, Mägde, Waschfrauen, Aufwäscherinnen, dazu eine Geflügelwärterin erwähnt (ein Geflügelstall sowie ein Gemüsegarten dienten zur Versorgung der Hofküche).
Die schwerste und am schlechtesten bezahlte Arbeit war sicherlich die der Wäscherin, weil sie lange Arbeitszeit unter ungesunden Bedingungen und große Anstrengung bedeutete: Wasser tragen, Feuer machen, große Kessel aufheben und Wäsche, die eingeweicht, gewaschen, gespült, ausgewrungen, gebleicht und gestärkt, getrocknet und gebügelt musste, gehörte dazu. Die ungeeignete Einrichtung der Waschküche erschwerte die Arbeit noch mehr, wie aus der Antwort der Leinwandverwahrerin betreffs der Anstellung einer Wäscherin zu schließen ist: Unseres Erachtens nach sollte eine Bittstellerin um kgl. Hofwäscherin zu werden, eine solche Vorstellung machen, wie eine Einrichtung getroffen werden kann, daß es vortheilhafter für den kgl. Hof, so wie auch für sie selbst, als bis jetzt eingerichtet werden kann. (Dez. 1835)
Lediglich zwei Waschfrauen besorgten die gesamte Hofwäsche in diesem Jahr.
D. Chodowiecki, Frauenzimmerarbeiten, 1774
B. ENTLOHNUNG
Die Hofangestellten wurden nicht aus dem Fiskus, sondern aus der Hofkasse, nämlich der königlichen Zivilliste, besoldet, weswegen sie 1843 aus der Entlassung aller deutschen Beamten ausgenommen wurden. Die Zivilliste Ottos betrug jährlich 1 Million Drachmen.
Es folgt die monatliche Besoldung im Einzelnen (Dr.=Drachmen, fl.=Florin=Gulden).
Oberhofmeisterinnen
Wylly: Sie bekam 250 Dr. während der acht Monate ihres Dienstes sowie drei Gehälter als Entschädigung wegen ihrer Entlassung.
Nordenflycht: Ihr erster Lohn als Hofdame betrug 180 Dr. Als provisorische Oberhofmeisterin bekam sie 250 Dr. und für das Amt der Schlüsseldame, das ihr danach gefälligerweise verliehen wurde, 240 Dr.
Plüskow: Mit 417 Dr. pro Monat (jährlich 2083 fl.= 5000 Dr.) wurde sie viel höher als ihre Vorgängerinnen bezahlt. Das könnte zum Teil darin liegen, dass gute Kandidatinnen in Deutschland schwer auffindbar waren, weil die Stelle nicht als besonders attraktiv galt. Die Reise Plüskows nach Griechenland mit einem 3-Pferde Wagen kostete 9200 Dr.
Zum Vergleich: Im Jahr 1844 betrug das Gehalt des Hofmarschalls 300 Dr., eines Abgeordneten 250 Dr. und eines Ministers 800 Dr. In München bekam die Oberhofmeisterin 2000 fl. jährlich.
Hofdamen
Ihr Gehalt betrug 180 Dr., es wurde aber nach 1854 auf 220 Dr. erhöht. Da die Hofdamen ständig den fremden Blicken ausgesetzt waren, bildeten für sie die hohen Kosten, welche ihre Repräsentation verlangte, die hauptsächliche finanzielle Belastung.
In Bayern betrug die Besoldung der Hofdamen 600-800 fl. jährlich (125-165 Dr. monatlich).
Kammerfrauen
Die Kammerfrauen der Königin waren in drei Ränge eingestuft: erste und zweite Kammerfrau und Garderobejungfer. Die entsprechenden Gehälter lagen bei 80, 60 und 44 Dr.
Die Kammerjungfern der Hofdamen bekamen 35 Dr.
Leinwandverwahrerin: 100 Dr.
1. Gehilfin (Näherin): 80 Dr.
2. Gehilfin (Näherin): 60 Dr.
Waschfrau: 2 Dr. Tagelohn
Magd: 48 Dr.
Geflügelwärterin: 40 Dr.
J.-F. Millet (1814-1875), La couseuse
Foto (c) RMN-Grand Palais (musée d' Orsay)/Hervé Lewandowski
Außer dem Gehalt und unabhängig von ihrem Rang bekam jede Angestellte auch folgende Vergünstigungen:
- freie Wohnung mit Möbeln, Bettwäsche, Holz und Licht
- Kost
- Arzneien aus der Hofapotheke
- Waschgeld (15 Dr. monatlich)
Die außerhalb des Hofes wohnenden ledigen Angestellten bekamen zusätzlich ein Logis-Geld.
Für die Verminderung der Personalkosten wurden in den niedrigen Stellen selbständige Handwerker, Männer und Frauen, eingestellt, die nur mit einem Tagelohn bezahlt wurden. Die Bemühung, Kosten zu sparen, hinderte allerdings die Königin nicht, 1845 eine dritte (deutsche) Hofdame einzustellen, doch -wie sie selbst ihrem Vater mitteilte- unter strengster Geheimhaltung, bis die Zivilliste vom Parlament genehmigt wurde.
Die Gehälter blieben während der 26-jährigen Regierung Amalies fest. Nur die Hofdamen -und einige männliche Angestellte- bekamen eine Gehaltserhöhung im Jahr 1854.
Die Gehälter der Männer waren höher als die der Frauen mit den gleichen Aufgaben: 1852 bekam ein Kammerdiener 72, eine Kammerdienerin 44 oder 35 Dr. monatlich; 1842 bekam ein Oberdiener 86 gegenüber 80 oder 60 Dr. einer Oberdienerin.
Wie ausreichend waren diese Besoldungen und inwiefern erfüllten sie die finanziellen Bedürfnisse der weiblichen Hofangestellten? Die Antwort kann wegen der Unterschiede zwischen den Einzelfällen nur relativ sein. Die Oberhofmeisterin und die Hofdamen waren in einer vorteilhaften Lage; die letzteren vor allem deswegen, weil ihre Stelle am Hof ihnen eine "gute" Ehe gewährleistete. Dasselbe galt auch für die Kammerfrauen, die nach der Ehe in der Regel ihre Arbeit verließen.
Anders war es bei den Frauen des unteren Personals, insbesondere denjenigen, die Kinder hatten, weil auch noch mit einem arbeitenden Ehemann das Familieneinkommen nicht ausreichte. Noch schlimmer war die Situation der selbständigen Arbeiterinnen, die ohne die Vergünstigungen der Angestellten die teuren Lebensmittel, die hohe Miete einer Wohnung und etwaige Medikamentenkosten abzudecken versuchten. Die Ledigen schafften es nur schwer, von ihren Bezügen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, während an Sparen gar nicht zu denken war. Bei der größten Sparsamkeit war es unmöglich, etwas zu erübrigen, so erklärt die Näherin Maria Bauer ihren Gesuch um eine Reiseunterstützung nach Deutschland für sich und ihre Kinder.
Hier sind einige Warenpreise in Athen 1847 in Drachmen:
Frauenschuhe 2
Kindeskleid 6
Gebühren für die deutsche Schule monatlich 12
Miete für zwei kahle und windige Zimmer 60 monatlich
Ein Hahn 3 (in Bayern 0.2 fl.= 0.5 Dr.)
Eine Gans 1.5
Die unsichere Zukunft war ein weiteres Problem der Hofangestellten, weil ihre Arbeitsplätze nicht fest waren und keine Rentenvorsorge vorgesehen war. Um 1850 versuchten die Arbeitenden selbst eine eigene Versicherungskasse einzurichten; ob das ihnen gelungen ist, bleibt unbekannt. Immerhin wurden 1853 durch ein königliches Reskript der Oberhofmeisterin Plüskow jährlich 500 goldene Thaler nach ihrem Austritt aus dem Dienst versprochen.
C. DIE PERSONEN
Im Folgenden werden die Namen der Einwanderinnen angeführt, die am Hof arbeiteten und im Ottonischen Archiv dokumentiert sind.
Oberhofmeisterinnen
Schon im Teil A dargestellt. Für weitere biographische Details s. die Bibliographie am Ende des Artikels.
Hofdamen
Johanna (Jenny) von Wiesenthau: aus Bayern. Sie diente 1837-45, dann kehrte sie nach Deutschland zurück und wurde mit Kudriaffsky vermählt.
Elise von Rennenkampf: Tochter eines Hofbeamten aus Oldenburg, diente von 1845 bis zu ihrer Ehe.
Wilhelmine von Rheineck: Tochter des Obersten Eduard von Rheineck und der Euphrosyne Mavrokordatou. Diente 1850-54.
Aspasia Karpouni: Tochter des Hofbeamten Ioannis Karpounis und der bayerischen Baronin Strunz.
L. de Surugue de Surgis nach J.- B. Joseph Pater, Le désir de plaire, 1743
Kammerfrauen
Seraphine Biny: Garderobejungfer Amalies 1838-39, heiratete einen Griechen.
Friederike Böning: aus Oldenburg. Garderobejungfer Amalies 1845-48, kündigte vor ihrer Ehe.
Katharina Bruckner: aus Heining bei Passau. Garderobejungfer Nordenflychts und dann Amalies (1842-49). Sie bat um Entlassung aus Gesundheitsgründen.
Henriette Dunker: aus Oldenburg. Als 17-jährige zur Garderobejungfer Amalies ernannt (1839). Diente bis zu ihrer Ehe mit dem Hoflakai Xaver Stenzer (1842). Ihre Kinder waren Anna, Amalie und Otto.
Elise Dunker: aus Oldenburg. Garderobejungfer Amalies 1842-44.
Katharina Emke: Garderobejungfer Amalies 1847-50.
Endrieux: Kammerjungfer von Wylly.
Katharina Gramberg: aus Oldenburg. Ernannt 1838, entlassen 1843 wegen Ungehorsam.
Luise Busch geb. Höne: aus Oldenburg. Im Dienst Amalies seit 1830, folgte ihr nach Griechenland. 1843 ehelichte sie den Hofangestellten zu Oldenburg Busch, nachdem er durch die Vermittlung Amalies am athenischen Hof eingestellt wurde. Das königliche Wohlwollen erwies sich leider als nicht genug: Luise starb bei der ersten Geburt (1844) und Busch kurz danach (1846). Ihre Tochter wuchs bei der Königin auf.
Karoline Rupp geb. Hoyer: aus Oldenburg. 1836 zur Kammerfrau Amalies ernant. 1839 mit dem Adonis-Hofdiener Rupp verheiratet, von dessen Stelle -laut Nordenflycht- sie ganz vortrefflich leben konnten, im Besitz eines eigenen niedlichen Häuschens mit Garten. Anders die Tyche: Karolines erstes Kind starb unmittelbar nach der Geburt, sie selbst wenige Jahre später (1846).
Christiana Hoyer: aus Karlsruhe. Kammerfrau Amalies 1841. Entlassen 1846 wegen ihrer Ehe mit dem Hofkonditor Thomas Weber aus Augsburg.
Laury
Christiane Lammers: Garderobejungfer Amalies seit 1848.
Auguste Langhagen/Langerhager: Kammerjungfer der Oberhofmeisterin Plüskow 1839-53.
Elise Lorenz: aus Oldenburg. 1836 zur Kammerfrau Amalies ernannt.
Karoline Maurer: aus Oldenburg. Kammerjungfer Nordenflychts 1836.
Elisabethe Prott/Pratt: Garderobejungfer Amalies 1850, Kammerfrau 1852. Verheiratete sich mit dem Hofkoch Armin Kraus (1856).
Josephine Riegelbauer: Kammerjungfer der Hofdame Wiesenthau.
Emilie Rivola: Garderobejungfer Amalies, heiratete 1840.
Hermine Steenken: aus Oldenburg. Ernannt zur Oberkammerdienerin 1849.
Johanna Tollberg: aus Oldenburg. Garderobejungfer Amalies von 1852 bis zu ihrer Ehe (1860).
Adelheide Vogt: aus Oldenburg. Garderobejungfer Amalies 1836.
Karolina Wolff: Garderobejungfer Amalies 1845-48.
Leinwandverwahrerinnen
Gertraud Stabel: von Non.1832 bis März 1836 in kgl. Dienst. Ehefrau des Hofkellermeisters Valentin Stabel. Wegen gesundheitlicher Probleme gekündigt, kehrte nach Bayern zurück.
Therese Sartori: ernannt 1836. Frau des Hofapothekers Sartori.
Maria Madler geb. Gumbinger (vielleicht identisch mit der Wäscherin Maria Gumpinger): 1809 in München geboren, verheiratet mit dem Tafeldecker Johann Adam Madler. Anfangs Tafeldeckerin, 1836 zur 1. Leinwandkammergehilfin ernannt, da sie in München bei einer Näherin 3 Jahre und bei einer Büglerin 6 Monate Unterricht genossen. Als sie 1839 starb, war sie Leinwandverwahrerin.
Luise Frank: Leinwandkammergehilfin, 1839 Leinwandverwahrerin. Kündigte 1843 wegen gesundheitlicher Probleme.
Rupp: Leinwandverwahrerin 1843-46. Wahrscheinlich die oben erwähnte Kammerfrau Amalies, die 1846 starb.
Näherinnen (Leinwandkammergehilfinnen)
Maria Bauer: arbeitete 1837-44 in der Leinwandkammer. Eine brave, geschickte und fleißige Arbeiterin [...] hat über ihr Benehmen nur Lob verdient. Sie war an den Freiwilligen Bauer verheiratet, welcher als Aufseher beim Bau des neuen Palais angestellt war und nach dessen Vollendung entlassen wurde. In ihrem Entlassungsgesuch erklärt Maria: Da mein Gehalt unmöglich ausreicht für mich, meinen Mann und vier Kinder nur die allernötigsten Nahrungsmittel anzuschaffen, so haben wir uns genötigt, Griechenland zu verlassen und uns in Kurhessen, unserem Vaterlande, eine Existenz zu gründen.
Josepha Haunreither: arbeitete 1835-36. Ernste persönliche und gesundheitliche Probleme führten zu ihrer Entlassung.
Maria Kirschenhofer: arbeitete in Nauplion bis 1834. 1835 kehrte sie mit ihrem Mann, dem Freiwilligen Joseph Kirschenhofer, nach Deutschland zurück.
Maria Sebastian: 2. Leinwandkammergehilfin seit 1853.
Wäscherinnen
Maria Gumpinger: Tochter eines Kutschers aus München, arbeitete als Wäscherin in Nauplion. 1834 beerbte sie ihre in Bayern verstorbene Schwester Franziska sowie ihren Vetter Sebastian Egglhuber aus Thalmässing bei Ingolstadt.
Hold: Sie wird als die Witwe eines Schweizers erwähnt. 1835 arbeitete sie am alten Hof.
Margaretha Köhler: 1833 arbeitete sie in Nauplion. Sie folgte ihrem Mann bei seiner Rückkehr 1835 nach Deutschland nicht. Noch 1845 arbeitete sie am Hof. Sie lebte in Griechenland mit ihrem Sohn, der das Gürtler Profession bei der Ouvrier Compagnie in Nauplia erlernt hatte.
Katharina (Kathi) Seiffert geb. Burghard: aus Förnbach in Bayern. Als 19-jährige 1833 nach Griechenland ausgewandert, wo sie den Kutscher Joseph Seiffert heiratete. Sie kehrten 1844 zurück, Kathi starb 1864 in München. Ihr Porträt, das erst 1995 in München gefunden wurde, und die betreffliche Recherche bestätigte ihre Beziehung zu Griechenland, obwohl sie im Ottonischen Archiv nicht dokumentiert ist. Das Gemälde ist eine seltene, weil nur die zweite bekannte Abbildung einer deutschen Auswanderin der ottonischen Zeit.
Kathi Seiffert, Hofwäscherin 1833-44 (unbekannter Maler)Foto in: Ulrike v. Hase-Schmundt, Kathi Seiffert,
hrsg. vom Förderkreis Otto-König-von-Griechenland-Museum der Gemeinde Ottobrunn, 2006
Mägde
Franziska Weber: in München angestellt, in Athen seit 1837. Wahrscheinlich Schwester der Magd Josephina Weber und Ehefrau des Hofdieners Rott.
Josephina Weber: nach Griechenland mit ihrer Schwester und ihrem Schwager, dem Kammerdiener Rott/Roth, ausgewandert.
Therese Sagmüller
Annette Schmidtbauer
Andere Arbeiterinnen
Blum
Maria Dambruch
Elisabethe Grabmaier
Johanna Ostenkötter
Raith
Schöffelhaber
Kreszenz Schmidtbauer
Weidl
Alle deutschen Frauen am ottonischen Hof waren Einwanderinnen, die in Griechenland ihr Glück suchten.
Diejenige des oberen und mittleren Personals erreichten ihre finanzielle und soziale Absicherung durch den Lohn oder die Heirat. Dafür leisteten sie neben den dazugehörigen Aufgaben auch einen weiteren Dienst: Sie bildeten für die Königin eine seelisch bequeme, gemütliche Umgebung -vor allem die Kammerfrauen, die kleine oldenburgische Kolonie. Der enge alltägliche Kreis Amalies, stets bestehend aus fünf Deutschen und zwei Griechinnen, ermöglichte ihr, einen lebendigen Kontakt zu ihrer Heimat aufrechtzuerhalten und sich vielleicht sicherer zu fühlen; ein Versuch am Hof sie zu vergiften (1846), die Entlassung zwei ihrer griechischen Damen unter dem Verdacht des Verrats (1850) und ein Attentat auf sie (1861) machen es verständlich, dass sie deutsche Dienerinnen vorzog.
Für die unbesungenen Einwanderinnen des unteren Personals beshränkte sich bald der Erwartungshorizont in Griechenland bloß auf das Überleben ein. Sie bewahrten mit ihrer Mühe das würdevolle Aussehen des griechischen Hofes, doch der Verdienst aufgrund ihrer "privilegierten" Stellung war fragwürdig und früher oder später gaben sie sie auf, um in die Heimat zurückzukehren; dort hätten sie mit weiteren Widrigkeiten zu kämpfen und viel zu erzählen von ihrer Dienstzeit am Hof des bayerischen Königs eines schwierigen Landes.-
♦♦♦
QUELLEN
Archive
Athen, Generalstaatsarchiv (GSA-CSA), Ottonisches Archiv des Hofmarschallamtes
Bibliographie
Ανέκδοτες επιστολές της βασίλισσας Αμαλίας στον πατέρα της 1836-1853, επιμ.-μετάφρ. Βάνα Μπούσε - Μίχαελ Μπούσε, Αθήνα 2011
Julia von Nordenflycht, Briefe einer Hofdame in Athen an eine Freundin in Deutschland 1837-1842, Leipzig 1845
Wilhelmine von Plüskow, Ημερολόγιο 1846-1854, μτφρ.-σχόλια Βάνα και Μίχαελ Μπούσε, 2014
Frederick Strong, Greece as a Kingdom, London 1842
Χριστιάνα Λυτ, Μια Δανέζα στην Αυλή του Όθωνα, Αθήνα 2011
Χριστιάνα Λυτ, Στην Αθήνα του 1847-1848, Αθήνα 1991
J. Bar. Ow, Aufzeichnungen eines Junkers am Hofe zu Athen (nach seinem Tode herausgegeben), Pest-Wien-Leipzig 1854
Εντμόντ Αμπού, Η Ελλάδα του Όθωνα, Αθήνα 2018 (Edmond About, La Grèce contemporaine, 18541)
Thomas Nipperdey, Deutsche Geschichte 1800-1866, München 1983
Margit Ksoll, Der Hofstaat der Kurfürstin von Bayern zur Zeit Maximilians I, in: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 52 (1989), S. 59-70
Christa Diemel, Adelige Frauen im bürgerlichen Jahrhundert: Hofdamen, Stiftsdamen, Salondamen 1800-1870, Frankfurt am Main 1998
Rebekka Habermas, Frauen und Männer des Bürgertums: eine Familiengeschichte (1750-1850), in: Bürgertum. Beiträge zur europäischen Gesellschaftsgeschichte 14 (2000)
Ulrike von Hase-Schmundt, Kathi Seiffert, Waschfrau bei König Otto von Griechenland. Die Rekonstruktion eines besonderen Lebens, in: Schriftenreihe des Otto-König-von Griechenland Museums der Gemeinde Ottobrunn (hrsg. von Jan Murken und Christine Scholz) Nr. 8 (2006)
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